Die Ortsvereine des SPD-Stadtbezirks setzen Zeichen gegen das Vergessen, gegen Antisemitismus, Rassismus und Faschismus

OV-Vorsitzender Linden Nikolaus Schürholz

Heute vor 76 Jahren wurde das Vernichtungslager Auschwitz von sowjetischen Soldaten der roten Armee befreit. „Auschwitz“ steht heute als Begriff für den nationalsozialistischen Rassenwahn. Über eine Millionen Menschen sind dort von den Nationalsozialisten systematisch ermordet worden. Seit 1996 ist der 27. Januar bundesweiter, gesetzlich verankerter Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus. Das Gedenken gilt den Millionen von Opfern dieses unsäglichen Mordens: Vor allem Juden, aber auch Sinti und Roma, Homosexuelle, Behinderte, Kriegsgefangene, Menschen, deren Leben eine Politik mörderischen Rassenwahns sich angemaßt hatte, für „lebensunwert“ zu erklären.

Die Ortsvereine des SPD-Stadtbezirks setzten heute ein Zeichen gegen das Vergessen, gegen Antisemitismus, Rassismus und Faschismus, damit sich niemals wiederholt, was mitten unter uns passierte. Dazu säuberten die Sozialdemokrat*innen die im Stadtbezirk verlegten Stolpersteine. Bei den Stolpersteinen handelt es sich um im Boden verlegte kleine Gedenktafeln aus Messing, die auf das Schicksal der Menschen aufmerksam machen, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Man soll buchstäblich über diese Schicksale stolpern.

Stolpersteine im Bochumer Südwesten

Heinrich König, Karl Springer und H. Julius Eversberg wurden als einzige nicht wegen ihrer Religion, sondern wegen ihrer politischen Gesinnung verfolgt. Sie waren Widerstandskämpfer. König war Sozialdemokrat, Eversberg und Springer Kommunisten.

Heinrich König war von 1919-1924 Gemeindevorsteher in Weitmar. Danach war er Stadtverordneter, später Fraktionsvorsitzender und ab 1929 Vorsitzender der SPD-Bochum. Nach seiner Inhaftierung und Freilassung 1933 gelang ihm die Flucht nach Frankreich. Dort wurde er 1943 entdeckt und verhaftet. Er starb im Mai 1943 an den Folgen der schweren Misshandlungen in Polizeigewalt.

Karl Springer wurde 1933 als aktives KPD-Mitglied verschleppt, misshandelt und in das KZ Esterwegen deportiert. Auch nach seiner Freilassung war er weiterhin aktiver Widerstandskämpfer. Er verstarb 1936 an den Folgen von Misshandlungen, die ihm während eines polizeilichen Verhörs beigebracht wurden. Nach ihm ist der Springerplatz in Bochum benannt.

Über H. Julius Eversberg ist nicht viel bekannt. Er wurde 1944 verhaftet. Im März 1945 wurde er zusammen mit 30 anderen Häftlingen von der Gestapo im Rombergpark erschossen.

Johanna und Hugo Marcus gehörte das Kaufhaus H. Marcus, später Wortmann. Mit der Reichspogromnacht erfolgte die Arisierung der Geschäfte. Die Familie Marcus wurde enteignet und musste ins „Judenhaus“ umziehen. Nach der Deportation 1942 verliert sich ihre Spur. Man geht davon aus, dass sie relativ schnell ermordet wurden.

Alexander Adler war mit Else Adler, geborene Röttgen, verheiratet. Sie hatten den gemeinsamen Sohn Horst Walter Adler. Alexander Adler wurde im KZ Sachsenhausen misshandelt und kehrte mit einer Blutvergiftung nach Linden zurück. Dort wurde ihm aufgrund seiner Religion eine medizinische Behandlung verweigert, weshalb er an den Folgen der Blutvergiftung verstarb. Seiner Frau und seinem Sohn gelang die Flucht, weshalb ihre Stolpersteine erst im letzten Jahr verlegt wurden, da zum Zeitpunkt der Verlegung des Stolpersteins für Alexander Adler im Jahr 2009 noch der Grundsatz galt, durch NS-Hand verstorben zu sein.

Sophie Röttgen war die Mutter von Else Adler. Sie lebte nach dem Tod ihres Mannes Moses im Jahr 1926 bei ihrer ältesten Tochter Else und deren Familie. Die Familie Moses Röttgen betrieb ein Papier- und Dekorationsgeschäft (früher auch Tabakwaren) auf der (heute) Hattinger Str. 798 (früher Foto Hamer). Sophie Röttgen wurde 1942 in Treblinka ermordet.

Familie Emil Röttgen (Erna geb. Alexander, Eva Emma, Hanna) stand in engem Kontakt mit der Familie von Moses Röttgen. Moses und Emil waren Cousins. Sie wohnten schräg gegenüber (heute) Hattinger Str. 777. Emil war Viehhändler. Sein Haus und seinen Acker musste er unter Nötigung 1939 verkaufen. Danach wanderte die Familie nach Holland aus, wurde jedoch deportiert und in verschiedenen Konzentrationslagern ermordet. Allein ihr Sohn Ernst (1925-2008) überlebte die NS-Zeit durch frühzeitige Flucht über Rotterdam, Frankreich und Spanien nach Israel. Ernst Röttgen hat bisher keinen Stolperstein.

(Quelle Stadtarchiv Bochum)